America is Hard to See
Emile de Antonio, -Amerikaner, -Patriot, Marxist ist ein -Schwerpunkt bei der diesjährigen Viennale -gewidmet.

Wolfgang Schweiger
Das gegenseitige Interesse war groß. 10.000 Seiten Akten trug das FBI über Emile de Antonio zusammen. Die ersten dreihundert Seiten – da war er noch 24. De Antonio hat auch recherchiert. In den Tiefen der Archive großer Fernsehstationen, in den Eingeweiden amerikanischen Zeitgeschichte hat er gewühlt und die USA während des kalten Krieges portraitiert.
Seine Filme waren immer Statement zu politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Veränderungen der Zeit, nie, der um Objektivität bemühte, historische Rückblick. Mit „Millhouse: A White Comedy“ macht er sich über den amtierenden Präsidenten Nixon lustig. In „Point of Order“ und „Rush to Judgement“ thematisiert er den Antikommunismus und stellt Fragen nach den Hintergründen des Kennedy-Mordes noch bevor es andere tun. Den Vietnamkrieg in „In the Year of the Pig“ zeigt er, als der noch voll im Laufen war.
„I intended from the beginning to make a film of propaganda“ sagt er später dazu. Objektivität kann ohnehin nur geheuchelt werden, – so verzichtet er in den meisten Fällen auf „pseudo“objektive Elemente wie eingesprochene Stimmen – wenn, dann geht es ihm um die Vermittlung von Werten. Überzeugt davon, dass die USA das Falsche tun, macht er einen Film über das vietnamesische Volk und stellt sich auf seine Seite. Das Material, das ihm oft in den USA verwehrt blieb, findet er in nordvietnamesischen Archiven und kommt damit zu Stoff der sonst nie zu sehen sein wird.
Sein Interesse am Film galt auch nie den schönen Bildern. Wichtiger als alles andere war die Struktur des Films. In „Point of Order“ erstellt er ein Charakterbild von Joseph McCarthy mit Hilfe von 188 Stunden Archivmaterial, das von zwei Kameras einer Fernsehstation während der McCarthy-Prozesse festgehalten wurde. Für die erste Fassung braucht er eineinhalb Jahre, nur um dann alles wegzuschmeißen und den Filme von vorne zu schneiden zu beginnen. Aus den Aufzeichnungen um einen Prozess dessen Sinn in den Hintergrund tritt, schält de Antonio eine neue Aussage, ohne selbst etwas hinzuzufügen. „Der Film beginnt ziemlich seltsam, wird dann dramatischer und dramatischer, konfrontativer und wilder, und endet in völliger Demenz: McCarthy, allein in einem Senat-Sitzungssaal, wettert über Kommunisten in der Regierung, während alle anderen aus Protest den Saal verlassen.“ (David Denby)
Den letzten Film, bevor er 1989 verstarb, hat de Antonio J. Edgar Hoover gewidmet. „Mr. Hoover and I“ brauchte wenig Recherche, das Material war bereits da: 10000 Seiten Akten reichen für ein Drehbuch.
Die Viennale zeigt von 17. bis 29. Oktober Im Rahmen eines Tributes für Emile de Antonio sein Gesamtwerk, wie auch Filme als deren Produzent bzw. Verleiher er tätig war.
Unitat 3/03 | Verkauft und ausgehungert - Unis und Studierende im Zeitalter von GATS
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